Sunday, 7 September 2008

Leer- DSQ/Soft machine concert review

In Wirklichkeit noch besser als auf der CD
Konzert Delta Saxophon Quartet gastierte mit Musik der Rockjazz-Legende
Soft Machine in Leer
Das Ensemble ist in Großbritannien eine Institution. Mit Jazz hatten die
Musiker bisher nur privat zu tun.
Von Norbert Fiks
Leer - Das Delta Saxophon Quartet ist in Großbritannien eine Institution
in Sachen zeitgenössischer „klassischer” Musik. Moderne Komponisten wie
die Minimalisten Terry Riley und Steve Reich haben für das 1984
gegründete Ensemble Stücke geschrieben, als Botschafter ihres Landes
haben die vier Bläser schon in Usbekistan und Taiwan hochoffiziell
musiziert. Mit Jazz hatten die Musiker bisher nur privat zu tun ­ bis
sie sich an die Musik der Stil prägenden Rockjazz-Band Soft Machine machten.
Vergangenes Jahr brachten sie eine viel bewunderte CD mit dem Titel
„Dedicated to you.\x0f.\x0f. but you weren‘t listening” heraus, am
Sonntagabend konnten ostfriesische Jazzfreunde das Delta Saxophon
Quartet (DSQ) im gut gefüllten Kulturspeicher in Leer erleben und
feststellen, dass diese vier Saxophonisten live noch besser sind als auf
Platte (was ein wenig auch an der Akustik des Raumes lag). Nach dem
ersten Stück, das die zahlreich im Saal sitzenden Soft-Machine-Kenner
unschwer als „Facelift” erkannten, erklärte Ensemble-Gründer Chris
Caldwell das Prinzip: Man nehme ein paar musikalische Phrasen, einen
Basslauf, die ersten vier Töne eines Stücks oder einfach nur „die Idee
von Soft Machine” und mache daraus etwas Neues, etwas Ungehörtes. Damit
beauftragte das DSQ junge britische Komponisten. Herausgekommen ist
Musik, die ein bisschen nach Soft Machine klingt und ganz viel nicht ­
oder genau umgekehrt.
Dieses Spiel mit dem Tonmaterial trugen Christian For\-shaw
(Sopransaxophon), Tim Holmes (Tenorsaxophon), Pete Whymann (Altsaxophon)
und Chris Caldwell (Baritonsaxophon) mit der Intensität und Leichtigkeit
von wahren Könnern vor. Da stimmte jeder Ton, jeder Einsatz, jede Geste,
jedes Detail der Ausführung. Auch wenn man noch nie etwas von Soft
Machine gehört hatte, war es Musik zum Genießen: mal locker und
verspielt, mal kraftvoll und dynamisch, mal liedhaft-harmonisch, dann
wieder tief in den Freiheiten des improvisierten Jazz eingetaucht.
Schade nur, dass das Delta Saxophon Quartet keine Zugabe spielte. Dafür
verabschiedeten sich Chris Caldwell und Co. mit dem Wunsch, wie viele
andere Künstler der Reihe „Jazz live im Speicher” von Stadt und VHS Leer
noch ein zweites und drittes Mal auf dieser Bühne stehen zu dürfen. Als
nächstes spielt dort übrigens am Mittwoch, 24.\x0fSeptember, das
Klaviertrio Braff, Oester und Rohrer.

--

Norbert Fiks
Ostfriesen-Zeitung
Zentralredaktion

Tel. 0491/9790179
Fax. 0491/9790201
n.fiks@ostfriesen-zeitung.de

0 comments: